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Premiere mit
Marlies Pille
Erstmals wird eine Frau "Behindertensportlerin
des Jahres" in Niedersachsen
Von Jörg Grußendorf und Carsten Schmidt
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Sitzen beim
Behinderten-Sportverband Niedersachsen (BSN) Hellseher?
Passender hätte die Wahl des Ehrengastes bei der diesjährigen
Bekanntgabe des "Behindertensportler des Jahres" nicht sein
können.
Steffi Jones, die zweimalige Fußball-Weltmeisterin und Chefin
des Organisationskomitees für die Frauen-Weltmeisterschaft 2011
in Deutschland, überreichte gestern Abend den vom Bildhauer
Siegfried Neuenhausen geschaffenen Ehrenpreis an Marlies Pille,
Fußballerin wie Jones und auch international fast so erfolgreich
wie die "Kaiserin". Pille belegte bei den internationalen
"Special Olympics" in Schanghai, einer Sportveranstaltung für
lern- und geistig behinderte Menschen, den 4. Platz mit der
deutschen Elf.
Und gibt es einen passenderen Namen für eine Fußballspielerin
wie die neue "Behindertensportlerin des Jahres? |
"Sie, liebe Gäste,
konnten sich in dem vorhin eingespielten Film davon überzeugen, dass
Marlies Pille dieses Wortspiel erlauben sie mir mit der Pille
umgehen kann", sagte Laudatorin Jones, während die Geehrte aus Lohne
einfach nur staunte und ihr Glück kaum fassen konnte. "Das ist
wunderschön", sagte Pille leise wie schon bei ihren großen Erfolgen
in Schanghai oder 2004 in Hamburg, als sie und ihre Mannschaft bei
den nationalen Special Olympics die gesamte deutsche Konkurrenz
hinter sich ließen.
Die bescheidene Siegerin scherte sich im Augenblick der Ehrung auch
wenig um die Faktoren, die diese achte Wahl zum "Behindertensportler
Niedersachsen" zu einer besonderen werden ließen. Erstmals gewann
ein geistig behinderter Sportler, erstmals siegte eine Frau - für
Marlies Pille ist das vor allem Ansporn, auch im reifen
Sportleralter von 44 Jahren noch weiterzumachen. "Ich bin noch
topfit", sagte sie. "Und so lange ich so in Form bin und so viel
Spaß habe, will ich noch sehr viel erreichen." Und Pille hat ihr
nächstes großes Ziel fest im Blick: Im Sommer will sie bei den
nationalen "Special Olympics" in Karlsruhe gewinnen.
Die Liebe zum runden Leder hat die Mitarbeiterin der Andreaswerke
Vechta, hier ist sie in der Keramik- und Industriemontage tätig,
erst sehr spät entdeckt, mit 31 Jahren. Doch Sport spielt schon
länger in Pilles Leben die Hauptrolle. Im BSV Lohne macht sie beim
Schwimmen, Aerobic und in der Gymnastiksparte mit. Und wie fest
verwurzelt sie im Verein ist, zeigt noch ein weiteres kleines
Detail: Marlies Pille hat beim BSV Lohne schon einmal eine
Auszeichnung erlebt als Grünkohlkönigin.
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Doch die fünf anderen
Kandidaten Maren Butterbrodt, Siegmund Hegeholz, Torben Schiewe,
Matthias Schmid und Malte Schneeberg standen keinesfalls im
Schatten der Siegerin. "Auch Sie haben im vergangenen Jahr
Tolles geleistet", hieß es in ihre Richtung aus dem Munde von
Steffi Jones, von Niedersachsens Innen- und Sportminister Uwe
Schünemann und von Karl Finke, dem BSN-Präsidenten. "Jeder
Kandidat ist ein Sieger", diese Formel, geprägt von Finkes
Vorgänger Heiner Rust, der die Wahl zum "Behindertensportler
Niedersachsens" ins Leben gerufen hatte, griff auch in diesem
Jahr wieder einmal. "Unsere Kandidaten sind auch immer
Botschafter für Respekt", sagte Finke. Und Schünemann, der auch
im Namen des erkrankten Schirmherren der BSN-Wahl,
Ministerpräsident Christian Wulff, die Gäste der Gala grüßte,
brachte auf den Punkt, was diese Gala im GOP-Variété mit dem
charmanten Gastgeber Werner Buss und dem schlagfertigen
Moderator Andreas Kuhnt wieder zu einem besonderen Ereignis
werden ließ: "Sie findet im Kreis vieler freundlicher Menschen
in einem wunderbaren Ambiente statt. Ich bin gern zu Ihnen
gekommen!" |
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