| |
Der "Kaiser" und die
Speerwurf-Weltmeisterin ehren den "Behindertensportler des Jahres
2010"
Der Ronnenberger Stephan Engelhardt wird als
erster Schwimmer zum "Behindertensportler des Jahres" gewählt

Hannover. Steffi Nerius ist bekannt dafür, nicht lange zu
fackeln. Bei ihrem letzten großen Sportwettkampf im August 2009
schockte sie in Berlin gleich die Konkurrentinnen mit ihrem ersten
Versuch im Speerwurf und gewann mit der erzielten Weite von 67,30
Metern den Weltmeistertitel. Und auch gestern Abend machte es die
37-Jährige nicht unnötig spannend auf der Gala des
Behindertensportverbands Niedersachsens (BSN) im GOP-Varieté. Nerius
öffnete den Briefumschlag, der den Namen des "Behindertensportler
Niedersachsens des Jahres 2010" enthielt, und einen Augenblick
später zauberte sich ein Strahlen auf das Gesicht des jüngsten
Kandidaten.
"Stephan Engelhardt", sagte Nerius und gratulierte wenig später
gemeinsam mit dem "Fußball-Kaiser" Franz Beckenbauer dem 18-jährigen
Gymnasiasten, der sein Glück gar nicht so recht fassen konnte. Der
Schwimmer von der RSG Langenhagen, der auch in der Region Hannover
in Ronnenberg wohnt, ist ein Senkrechtstarter, den es selbst im
Behindertensport nur selten gibt. Er fiel in diesem Jahr erstmals
mit Siegen bei den internationalen deutschen Meisterschaften auf und
holte im Herbst seine ersten Medaillen bei großen Titelkämpfen -
Silber und Bronze bei der Europameisterschaft auf Island.
Engelhardt schreibt aber auch ein neues Kapitel bei der Wahl.
Erstmals hat ein sehbehinderter Athlet gewonnen, und auch der
Triumph eines Wassersportlers markiert eine Premiere. Der Sieg des
Ronnenbergers ist zudem Beleg für die Vielfalt des Behindertensports
im Land, die auch Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff
lobend in seinem Grußwort hervorhob.
Wulff als Schirmherr und "großer Freud des Behindertensports", wie
es BSN-Ehrenpräsident Heiner Rust ausdrückte, der "Kaiser" mit
seinem ganz eigenen unverkrampften Auftreten und Nerius, die nach
ihrer aktiven Laufbahn selbst behinderte Leistungssportler trainiert
- dieses Trio krönte das Jubiläum des Behindertensportverbands
Niedersachsens. Die zehnte Sportlerwahl zeigte abermals, wie viel
Respekt behinderte Sportler, ihre ganz persönliche Geschichte und
ihre Leistungen bei den Niedersachsen genießen. 26?170 abgegebene
Stimmen belegen ein stabiles Interesse an der Abstimmung und ihren
unverzichtbaren Platz im Sportkalender.
Doch die Wahl hat auch andere Projekte angestoßen. Ministerpräsident
Wulff verwies in seiner Ansprache auf die Stiftungen im Land
(Firmengruppe Hänsch und Heiner Rust), die den Behindertensport
unterstützen. Mit der Ärztin Marianne Zumkeller aus
Osterholz-Scharmbeck wurde eine der vielen "Personen im Hintergrund"
des Behindertensports ausgezeichnet, sie erhielt den
HDI-Ehrenamtspreis. Übungsleiter wie Zumkeller tragen ebenso wie das
leistungssportliche Vorbild Engelhardt dazu bei, dass mittlerweile
mehr als 60000 Mitglieder im BSN organisiert sind.
Verbands-Präsident Karl Finke freute sich in seiner Begrüßung zu
Recht über das Knacken dieser Schallmauer.
Finke dankte aber auch den langjährigen Sponsoren wie Lotto
Niedersachsen, ohne die zehn Jahre Wahl zum Behindertensportler des
Jahres kaum denkbar gewesen wären. Zu diesen Unterstützern zählen
letztlich auch die launigen Moderatoren Andreas Kuhnt und Werner
Buss. Gerade Buss als langjähriger Chef des hannoverschen GOP hat
maßgeblich die Atmosphäre der Gala geprägt. Familiär und kuschelig
geht es auf der Gala zu. Es herrscht ein Wohlfühlklima in der
Georgstraße, man ist unter Freunden, wie es Buss ausdrückt. Damit
hat der BSN den Königsweg gefunden, seinen hervorragenden Sportlern
die gebührende Reverenz zu erweisen.
Zur Wahl standen:
Stephan Engelhardt, Schwimmen, RSG
Langenhagen/Team BEB
Vico Merklein, Handbiken, GC Nendorf
Thomas Nolte, Ski Alpin, MTV Braunschweig/Team BEB
Martina Reissland, Sitzball, BSV Sünteltal Bad Münder
Johannes Urban, Tischtennis, TSV Salzgitter-Thiede
Julia Vollmer, Judo, SG Diakonische Werke Himmelsthür
* * *
Verleihung 4. HDI-Ehrenamtspreis
Ohne das Ehrenamt im Sport geht es nicht! Deshalb wurde auch in
diesem Jahr anlässlich der Jubiläumswahl "Behindertensportler/-in
des Jahres" bei der festlichen Gala am 25. Februar im GOP Variéte
Hannover wieder eine Übungsleiterin geehrt, die sich durch ihr
überdurchschnittliches Engagement im Behindertensport verdient
gemacht hat.
Diesjährige Preisträgerin ist Dr. Marianne Zumkeller von der BSG
Osterholz-Scharmbeck, die, wie sie selbst sagt, eher ungeplant zu
ihren Ehrenämtern gekommen ist. Zwar ist sie bereits seit 1974 als
Vereinsärztin tätig, begann jedoch erst 2005 selbst mit dem Sport,
ließ sich zur Übungsleiterin Rehasport für den Bereich "Stütz- und
Bewegungsapparat" ausbilden und übernahm mit dem Ausscheiden der
bisherigen Übungsleiterin die Leitung der Gymnastikgruppe. "Mir ist
wichtig, dass die Gruppe bei den Übungen Spaß hat und dass besonders
die Älteren sich regelmäßig bewegen und die Geselligkeit erleben
können", sagt die 64-Jährige.
Darüber hinaus kümmert sich Marianne Zumkeller als Kassenwartin um
die Finanzen des Vereins und organisiert regelmäßig gemeinsame
Besuche von Veranstaltungen und Sehenswürdigkeiten. Darüber hinaus
ist sie maßgeblich an der Organisation des jährlichen
Sommersportfestes beteiligt.
Marianne Zumkeller erhält den HDI-Ehrenamtspreis stellvertretend für
alle engagierten Übungsleiter/-innen des BSN. Überreicht wird der
Preis durch Daniel Helberg von der HDI Direkt Versicherung AG,
BSN-Präsident Karl Finke und BSN-Vizepräsident Aus- und Fortbildung
Herbert Michels.
Die Wahl "Behindertensportler/in des Jahres" 2010 steht unter der
Schirmherrschaft des niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian
Wulff und wird durch die folgenden Sponsoren unterstützt: BKK
Landesverband Niedersachsen-Bremen, Hannover Airport, Hannoversche
Volksbank, Lotto Niedersachsen, VW Sportkommunikation, und E.ON
Energy from Waste.
|
|