DIE ENTWICKLUNG DES  SPORTABZEICHENS 
FÜR BEHINDERTE

Vor etwa zwei Millionen Jahren entwickelte sich der Mensch aus seiner zunächst gebeugten Haltung zur aufrechten Gestalt. Eine vergleichsweise kurze Zeitspanne, wenn man das Alter des Universums betrachtet.

Der nunmehr aufrechte Gang unserer Vorfahren zeigt uns an, dass hier auch der Ursprung der Leicht- athletik liegt. Warum? Nun, das Gehen und Laufen in verschiedener Form waren zum Überleben erforderlich. Aus dem Kampf ums Dasein entwickelte sich aber auch der Spieltrieb und der Sportgeist.

Aus der Antike weiß man, dass Olympische Spiele bereits seit 776 v. Chr. stattfanden. Die Sieger wurden mit einem Lorbeer- oder Eichenkranz gekrönt. Nur Wettkämpfe der Leichtathletik waren zugelassen und das nur für Männer. Heute ist dies gottlob anders.

Seit 1896 finden im 4-Jahres-Rhythmus die modernen Olympischen Spiele der Neuzeit statt, die sich auf fast nicht mehr zu zählende Sportarten erweitert haben. Gerade in der Leichtathletik verbesserten sich die Leistungen in den vergangenen 100 Jahren zu immer neuen Rekorden; so zum Beispiel im 100 m Lauf von 12,00 Sekunden auf sage und schreibe 9,92 Sekunden im Jahre 1988. Auch in allen anderen Disziplinen wurden erhebliche Fortschritte erzielt.

Den Breitensport pflegen wir dank eines Turnvater Jahn und des großen Förderers der Leichtathletik, Carl Diem, der auch das Deutsche Sportabzeichen eingeführt hat. Dieses Sportabzeichen, das seit nunmehr 50 Jahren besteht, verlangt in fünf Gruppen sportliche Mindestleistungen, die m.E. Von jedem zu erfüllen sind, der regelmäßig seinen Sport treibt.

An die Behinderten hat Carl Diem ebenfalls gedacht, denn das Versehrten- oder Behinderten- sportabzeichen mit erheblich verminderten Anforderungen steht auch noch in Altersklassen für alle 5 Jahre erheblich verminderte Leistungen fordert, von einem trainierten Behindertensportler sicher erworben werden kann.

Die Krönung aller Sportabzeichen, die Deutsche Sportkrone in Gold mit Brillanten ist allerdings eine Stufe, die von Untertrainierten oder sportlich Unbegabten wirklich nicht erreicht werden kann. Hier muß der ältere Sportler (Männer ab 60 Jahren, Frauen ab 50 Jahren) die Bedingungen für das Deutsche Sportabzeichen in allen 5 Gruppen mit den Leistungen erfüllen, wie sie ein junger, nicht behinderter Sportler von 18 bis 29 Jahren für das Bronze-Abzeichen erzielen muß.

Was kann aber ein Behindertensportler der Seniorenklasse schöner empfinden, als an den Hessischen oder gar Deutschen Meisterschaften teilnehmen zu dürfen?! Trotzdem war ich leider für viele Jahre der einzige Vertreter der VSG Frankfurt in diesen Wettkämpfen. Seit 3 Jahren fährt Walter Rösing mit mir gemeinsam zu diesen Meisterschaften, und stets sind wir mit Titeln oder Medaillen für gute Plätze zurückgekehrt.

Ein wenig Training gehört selbstverständlich zum Erfolg. Von Mai bis September treffen wir uns jeden Montag zwischen 16.30 und 19.30 Uhr auf dem Sportgelände Rot-Weiß gegenüber unserem Vereinsheim. Dort haben wir die Möglichkeit, in den 5 Sommermonaten alle leichtathletischen Bedingungen zu erfüllen, die das Sportabzeichen verlangt. Im Winter wird in der Halle trainiert.

Wie gut man den Anwärtern für das Sportabzeichen mit gezieltem Training zu besseren Leistung verhelfen kann, will ich an zwei Beispielen erläutern: Willi Betz hat mit seiner Behinderung in seiner Altersklasse seit den 8 Jahren seiner Teilnahme schon zum 8ten Mal das Deutsche Sportabzeichen in Gold für Gesunde abgelegt. Klaus Knies kam völlig untrainiert zur VSG Frankfurt und erreichte anfangs im Weitsprung aus dem Stand ganze 82 cm. Heute, nach jahrelangem Üben unter der Anleitung des Sportwarts, springt dieser Klaus bereits 162 cm weit. Auch sein Behinderungszustand ist m.E. Erheblich verbessert worden, was ihm körperlich und seelisch weiterhilft. Gratulation den beiden Aktiven !

Ich möchte in diesem Bericht für die Leichtathletik werben und behaupte zugleich, dass sie die Krone aller Sportarten ist. Das Deutsche Sportabzeichen soll jedem, ob Frau, Mann oder Kind, ob behindert oder nicht, das äußere Zeichen der erzielten Leistung sein.

Daher bitte ich jedes Vereinsmitglied: Trainiert und erfüllt die Bedingungen für das Deutschen Sportabzeichen! Tragt es dann auch sichtbar mit ein bißchen.

Rudi Holz


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